sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020
sonneundsolche, Verena Issel "Ascheregel" 2020

"Ascheregen"

Verena Issel

 

13.6.-12.7.2020

 

„Obgleich hier noch keine unmittelbare Gefahr bestand, spürte man sie doch schon, und wenn sie zunahm, war sie auch hier ganz nah. (...)

Schon war anderswo Tag, dort aber Nacht, dichter und schwärzer als alle Nächte bisher. Doch erhellten diese Nacht vielerlei Fackeln und allerhand Lichterscheinungen. Man entschloss sich, zum Gestade zu gehen, um aus der Nähe zu sehen, ob man sich schon auf das Meer hinauswagen könne, es blieb aber immer noch wild und ungestüm. (...)

Eine fassungslose Menge schloss sich uns an, jenem Instinkt der Flucht gehorchend, der es für klüger hält, fremder Einsicht zu folgen als der eigenen; und nun drängten und stießen uns die Flüchtenden in endlosem Zuge vorwärts. (...)

Ein neues Schauspiel erwartete uns mit seinen Schrecken. Die Wagen, die wir mitgenommen hatten, schwankten nach allen Richtungen, obwohl sie sich selbst auf ganz ebenen Gelände befanden, und selbst wenn man Steine vor den Rädern schob, blieben sie nicht auf der Stelle. Das Meer schien sich selbst aufsaugen zu wollen und wurde durch das Erdbeben gleichsam zurückgedrängt. Jedenfalls hatte sich der Strand verbreitert und viel Seegetier bedeckte den trockengelegten Sand. Auf der anderen Seite öffnete sich eine schreckliche schwarze Wolke, zerrissen durch plötzliche Feuerausbrüche, die kreuz und quer hervorschossen. Sie loderten in länglichen Feuergarben auf, Blitzen gleich, doch größer... .

Wenig später senkte sich die Wolke herab auf die Erde und bedeckte das Meer (…).

Da regnete es Asche, wenn auch noch nicht sehr viel. Ich wandte mich um. Eine dichte Qualmwolke, die wie ein reißender Strom über die Erde dahinschoss, folgte uns drohend. `Wir wollen Ausbrechen´, rief ich, `solange wir noch etwas sehen, damit wir nicht auf der Straße in der Finsternis von der Menschenmasse ringsum zertrampelt werden.”

 

Plinius d. J., 79 a. D.